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Thomas Olde Heuvelt

Die letzte Geschichte von Jamie Gunn


 
»Die letzte Geschichte von Jamie Gunn« von Thomas Olde Heuvelt


Besprochen von:
 
Elohym78
Deine Wertung:
(5)

 
 
Als Kind verliert Jamie Gunn nicht nur seinen Vater, sondern den Menschen, der für ihn einfach alles bedeutet hat. Er hat ihm nicht nur Geschichten erzählt, sondern auch die besondere Magie einer Geschichte vermittelt. Eine Magie, die nach seinem Tod ein brutales Eigenleben zu führen beginnt. Eine Geschichte, die mehr ist, als Buchstaben zwischen zwei Buchdeckeln, oder Worte, die einem erzählt werden.
Als die ersten Menschen sterben, nachdem sie Jamies Buch gelesen haben, wird ihm klar, dass er der Geschichte eine Wendung geben muss...

Das Cover zeigt Jamies Alptraumgestalt Sheherazade. Die Frau ohne Gesicht, dessen Mund zu einem gewaltigen Maul aufgerissen ist, um einfach alles zu verschlingen: Nicht nur Blut, Haare und Knochen, sondern auch die Seele ihrer Opfer!
Ich finde es großartig zum Inhalt des Buches gewählt! Und ja, ich habe das Buch mit einem Schutzumschlag überzogen, damit meine Finger nicht in diesem gruseligen Schlund verschwinden.

Ich gebe es an dieser Stelle offiziell zu: Ich bin süchtig nach den Büchern von Thomas Olde Heuvelt! Kaum einem Autoren gelingt es so gut, mich in Schockstarre zu versetzen, mich an der Realität zweifeln zu lassen und beim Lesen lieber mehrere Lichter anzulassen, als eigentlich nötig wäre.
Thomas Olde Heuvelt schreibt verblüffend real wirkende Horror-Romane, die mich mit ihrer Spannung, ihrem Grusel und ihrer Brutalität jedes Mal aufs Neue schockieren! Der Autor schafft es, auf der dünnen Linie zwischen Realität und Fantasy zu wandeln und mich ganz unmerklich mit in sein düsteres Reich zu ziehen. Bei jedem Buch von ihm nehme ich mir ganz fest vor, nicht wieder so tief in das Grauen hinabgezogen zu werden; und scheitere doch daran.
Ich weiß nicht, ob es der immense Spannungsbogen ist, die Schockeffekte, der subtile Horror oder die Protagonisten, die sind wie du und ich, die mir die Bücher so vertraut erscheinen lassen. So real, wie wenn mir jemand bekanntes eine Geschichte erzählt, die sich genauso zugetragen hat.

Genau so erging es Jamie mit seinem verstorbenen Vater. Er war nicht nur Jamies Vater, sondern sein Vorbild und sein Beschützer; der, der ihn mit einer Geschichte ablenkte und in andere Welten entführte; alles das, was ein Vater sein soll. Und dieses Gefühl, fühlte sich so unfassbar real an, denn auch mir wurden als Kind Geschichten erzählt, die ich teilweise zu meiner Realität machte. Aus diesen bin ich herausgewachsen.
Jamie nicht. Oder sollte ich eher sagen, dass die Geschichte mit ihm gewachsen ist? Denn sie blieb nicht nur in seiner Kindheit, sondern begleitete ihn während seiner Jugend und schließlich als Erwachsener. Jamie blickt zurück und sieht immer mehr Begebenheiten, die er zu einer Wahrheit für sich selber macht. Selbst erfüllende Prophezeiung quasi. Etwas, was jeder kennt und deswegen fällt es Thomas Olde Heuvelt auch so leicht, seine Klauen in meinen Geist zu schlagen und mich unaufhaltsam zu sich zu zerren!

Spannend fand ich, dass Thomas Olde Heuvelt nicht nur als Buchautor zu mir spricht, sondern auch als Leser. So schreiben kann glaube ich wirklich nur jemand, der nicht nur gerne mit seinen Büchern unterhält, sondern sich auch gerne unterhalten lässt. Sein gewähltes Thema Aberglaube triggert mich diesmal ganz besonders. Dieser Gedanke: Wenn ich das mache (oder eben nicht), hat das folgende Konsequenz kennt jeder von uns und lässt sich auch von diesem Gedanken beeinflussen und verführen. Ob das ein Glücksbringer ist, ein Song, verschüttetes Salz oder eine Zahl. Jeder von uns hat schon mal diesen Schritt zurück gemacht und überlegt. Es dann sein gelassen, den Kopf über sich selber geschmunzelt und es schnell verdrängt.
Genau das macht Jamie eben nicht! Er weiß, dass er Sheherazade keinen Platz in seinem Leben geben darf! Geben soll! Und tut es trotzdem. Mit den Konsequenzen muss er leben.

Ich habe es geliebt zu lesen, wie Jamie sich entwickelt! Von dem kleinen, unsicheren Jungen, über den sich ausprobierenden Jugendlichen, hin zu dem selbstbewussten Autor, der seinen Wert kennt. Und doch nagt stets etwas an seiner Seele. Wie ein Schatten, gerade außerhalb des Sichtfeldes; weit weg und doch immer da. Mutig und mit seinen besten Freunden und Lieben an seiner Seite, tritt Jamie den Weg raus aus seiner Wohlfühlzone an. Ein Fehler. Und auch mir ging dieser unter die Haut! Und doch kann man Dinge nicht ungeschehen machen, auch wenn es der Herzenswunsch sein sollte. Dem einen gelingt der Schritt, sich selber zu verzeihen. Der andere zerbricht daran.
Jamies Geschichte ist irgendwie beides und nichts davon.


Mein Fazit

Ein Horrorschocker für Fans des Gruselgeschmackes! Für jeden, der sich zweimal überlegt, ob Geschichten nur Geschichten sind und nicht doch irgendwie in unsere Realität gelangen können.

Und nein, ich habe die letzte Seite nicht gelesen!!!
 


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